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Amazon-Auszahlungen auf ein US-Konto: Was FBA-Verkäufer beachten müssen

Amazon zahlt Verkäufererlöse nur auf ein Bankkonto im jeweiligen Marktplatz-Land aus. Wir erklären, warum ein US-Konto für Amazon.com-Verkäufer sinnvoll ist und wie die Anbindung funktioniert.

6 Minuten
TAXXIT Consulting: Amazon-Auszahlungen auf ein US-Konto

Wie Amazon Verkäufererlöse auszahlt

Amazon zahlt Verkäufererlöse auf das Bankkonto aus, das du in Seller Central als Auszahlungsmethode hinterlegt hast. Wer auf Amazon.com (dem US-Marktplatz) verkauft, hat dafür grundsätzlich drei Wege: ein US-Bankkonto, das Auszahlungen direkt in US-Dollar empfängt, einen von Amazon akzeptierten Zahlungsdienstleister mit US-Kontodaten oder ein Konto im Heimatland, auf das Amazon die Erlöse über den eigenen Währungsumrechner in Landeswährung auszahlt.

Den kompletten Überblick findest du in unserem Leitfaden Amazon FBA mit US-LLC.

Die drei gängigen Wege

  1. Eigenes US-Geschäftskonto: Verkäufer mit einer US-LLC können ein Konto bei Anbietern wie Mercury eröffnen und die Amazon-Auszahlungen direkt dort empfangen

  2. Auszahlungsdienstleister („Payment Service Provider“): Anbieter wie Payoneer oder Wise stellen US-Kontodaten zur Verfügung, ohne dass eine eigene US-Bankbeziehung nötig ist. Amazon akzeptiert dabei nur bestimmte Bankkonten und Zahlungsdienstleister – welche aktuell zugelassen sind, prüfst du in Seller Central in der Hilfe zu akzeptierten Bankkonten und Payment Service Providern

  3. Amazon Currency Converter for Sellers (ACCS): Amazon rechnet die Dollar-Erlöse selbst um und zahlt sie auf ein lokales Bankkonto in deiner Heimatwährung aus

Warum ein eigenes US-Konto oft die bessere Wahl ist

  • Kontrolle über die Umrechnung: Beim ACCS gilt laut Amazon der Wechselkurs des eingesetzten Drittanbieters am Tag der Auszahlung, dazu kommt eine volumenabhängige Gebühr, die Amazon auf seiner Programmseite ausweist (zuletzt 0,75 % bis 1,50 % für die meisten Währungen). Mit einem US-Konto entscheidest du selbst, wann und über welchen Anbieter – etwa Wise – du Dollar in Euro tauschst. Ob das günstiger ist, hängt von deinem Volumen und den aktuellen Konditionen ab; vergleiche die Gesamtkosten beim jeweiligen Anbieter

  • Trennung von Geschäft und Privatvermögen: Ein eigenes US-Geschäftskonto passt besser zur ohnehin nötigen Trennung von LLC und Privatperson

  • Flexibilität für weitere US-Zahlungsströme: Ein US-Konto lässt sich auch für andere Zahlungswege wie PayPal Business oder direkte Kundenzahlungen nutzen, nicht nur für Amazon

  • Dollar-Kosten in Dollar bezahlen: Wer Lieferanten, PPC-Werbung oder US-Dienstleister in US-Dollar bezahlt, spart sich die doppelte Umrechnung von Dollar zu Euro und wieder zurück

Steuerliche Aspekte nicht vergessen

Amazon-Auszahlungen auf ein US-Konto ändern nichts an den zugrunde liegenden steuerlichen Pflichten: Wer über FBA-Lager in mehreren Bundesstaaten verkauft, sollte die Sales-Tax-Nexus-Schwellen im Blick behalten – unabhängig davon, über welches Konto die Auszahlung läuft. Für Verkäufe über den Marktplatz führt Amazon als Marketplace Facilitator die Sales Tax in der Regel selbst ab; für Verkäufe über einen eigenen Shop gilt das nicht. Mehr dazu im Beitrag zu Marketplace Facilitator Laws.

Die Steuerseite in Deutschland

Das Konto, auf dem die Erlöse landen, entscheidet nicht darüber, wo sie versteuert werden. Führst du deine transparente Single-Member-LLC von Deutschland aus und hat sie in den USA weder Büro noch Mitarbeiter, steht das Besteuerungsrecht für die Gewinne nach dem DBA grundsätzlich Deutschland zu. Ob FBA-Lager oder andere Aktivitäten in den USA im Einzelfall eine US-Betriebsstätte begründen können, solltest du mit einem Steuerberater klären – der Beitrag zum Betriebsstättenrisiko ordnet das Thema ein.

Unabhängig davon gelten für die LLC selbst die US-Meldepflichten, insbesondere Form 5472 mit Pro-forma Form 1120 für eine ausländisch gehaltene Single-Member-LLC. In Deutschland ist die Beteiligung an der LLC nach § 138 Abs. 2 AO zu melden. Und im Steuer-Interview von Amazon gilt: Eine disregarded Single-Member-LLC reicht grundsätzlich kein eigenes W-8BEN-E ein – als ausländischer Eigentümer gibst du in der Regel ein W-8BEN für dich als natürliche Person ab. Details erklärt der Leitfaden US-Quellensteuer und W-8BEN.

Praktische Einrichtung

  1. US-Geschäftskonto (z. B. Mercury) mit gültiger EIN eröffnen

  2. Im Amazon Seller Central unter „Zahlungsinformationen“ bzw. den Auszahlungsmethoden die US-Kontodaten (Routing- und Kontonummer) hinterlegen; welche Anforderungen Amazon an das Konto stellt, steht in der Seller-Central-Hilfe

  3. Testauszahlung abwarten und Kontoauszug prüfen, bevor größere Volumina darüber laufen

  4. Bei Bedarf eine regelmäßige Weiterleitung eines Teilbetrags auf ein Euro-Konto einrichten, etwa über Wise

Praxisbeispiel: Umstellung von ACCS auf ein US-Konto

Markus verkauft seit zwei Jahren Küchenzubehör auf Amazon.com und lässt sich die Erlöse per ACCS direkt auf sein deutsches Geschäftskonto auszahlen. Mit wachsendem Umsatz fällt ihm auf, dass er seinen chinesischen Lieferanten in US-Dollar bezahlt – das Geld wird also erst in Euro und dann wieder in Dollar getauscht. Nach der Gründung seiner LLC und der Eröffnung eines US-Kontos hinterlegt er dieses in Seller Central.

Seitdem bleibt ein Teil der Erlöse in Dollar und deckt Wareneinkauf und Werbekosten, nur der Überschuss wird in Euro getauscht. Wichtig war bei der Umstellung: Die Kontodaten wurden erst geändert, nachdem das neue Konto vollständig verifiziert war, und die erste Auszahlung wurde gegen die Abrechnung in Seller Central abgeglichen. Seine Buchhaltung ordnet die Zahlungen nun sauber der LLC zu.

Typische Fehler

  • Privatkonto hinterlegen: Läuft das Amazon-Geschäft über die LLC, gehören die Auszahlungen auf ein Konto der LLC – sonst leidet die Trennung von Gesellschaft und Privatperson.

  • Kontodaten ohne Prüfung wechseln: Ein Fehler bei Routing- oder Kontonummer kann Auszahlungen verzögern. Neue Daten immer zuerst mit einer kleinen Auszahlung testen.

  • Nicht zugelassenen Dienstleister nutzen: Amazon akzeptiert nicht jede Zahlungslösung. Vor der Einrichtung die aktuelle Liste in Seller Central prüfen.

  • Konto mit Steuersitz verwechseln: Ein US-Konto macht deine Gewinne nicht zu US-Einkünften und ersetzt keine Steuererklärung in Deutschland.

  • Nur ein Konto: Wird das einzige Konto vorübergehend gesperrt, stehen die Auszahlungen still. Ein zweites Konto als Reserve reduziert dieses Risiko.

Häufige Fragen

Kann ich Amazon.com-Erlöse auf ein deutsches Konto auszahlen lassen? Ja, über den Amazon Currency Converter for Sellers zahlt Amazon in Landeswährung auf ein lokales Bankkonto aus. Wechselkurs und Gebühren legt dabei Amazon bzw. dessen Dienstleister fest.

Brauche ich für ein US-Geschäftskonto eine LLC? Für Anbieter wie Mercury ja – dort muss die Gesellschaft in den USA gegründet sein. Voraussetzungen anderer Anbieter prüfst du direkt beim Anbieter.

Muss ich bei Amazon ein W-8BEN oder W-8BEN-E ausfüllen? Bei einer disregarded Single-Member-LLC gibt in der Regel der ausländische Eigentümer ein W-8BEN für sich selbst ab, nicht die LLC.

Fazit

Für ernsthafte Amazon.com-Verkäufer aus dem DACH-Raum ist ein eigenes US-Geschäftskonto oft günstiger und flexibler als Amazons interne Währungsumrechnung – vor allem, wenn ein Teil der Kosten ohnehin in US-Dollar anfällt. Die Einrichtung ist unkompliziert, sobald LLC und EIN stehen. Wenn du deine LLC für das Amazon-Geschäft rechtskonform aufsetzen willst, klären wir die Details gern in einem Erstgespräch.

Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Konditionen, Gebühren und zugelassene Zahlungswege von Amazon und Banken ändern sich regelmäßig und sollten direkt beim Anbieter geprüft werden.