Marketplace Facilitator Laws: Was Amazon- und Etsy-Verkäufer über Sales Tax wissen müssen
Amazon und Etsy führen die Sales Tax in vielen US-Bundesstaaten inzwischen selbst ab. Was das für ausländische Verkäufer bedeutet – und warum die eigene Nexus-Pflicht trotzdem nicht verschwindet.

Wenn der Marktplatz die Steuer für dich abführt
Fast alle US-Bundesstaaten mit Umsatzsteuer haben in den vergangenen Jahren sogenannte Marketplace Facilitator Laws eingeführt. Sie verpflichten Plattformen wie Amazon, Etsy, eBay oder Walmart Marketplace, die Sales Tax für Verkäufe, die über die Plattform abgewickelt werden, selbst zu berechnen, einzuziehen und an den Bundesstaat abzuführen – unabhängig davon, ob der einzelne Verkäufer selbst eine Nexus-Pflicht hätte.
Klingt nach vollständiger Entlastung für ausländische E-Commerce-Gründer – ist es aber nur teilweise.
Was die Plattform automatisch übernimmt
Sobald ein Käufer über den Marktplatz bestellt, berechnet und kassiert die Plattform die anfallende Sales Tax direkt beim Checkout und führt sie an den jeweiligen Bundesstaat ab. Der Verkäufer muss dafür in der Regel keine separate Registrierung in jedem einzelnen Bundesstaat vornehmen – solange ausschließlich über die Plattform verkauft wird.
Was trotzdem bestehen bleibt
Drei Punkte werden dabei häufig übersehen:
Nexus-Zählung bleibt bestehen: Verkäufe über einen Marktplatz zählen weiterhin für die Berechnung der wirtschaftlichen Nexus-Schwelle in jedem Bundesstaat – auch wenn die Plattform die Steuer abführt.
Mehrkanalvertrieb wird komplizierter: Wer sowohl über Amazon als auch über einen eigenen Onlineshop verkauft, muss die Umsätze beider Kanäle für die Nexus-Berechnung zusammenrechnen. Übersteigt die Summe die Schwelle, entsteht für die eigenen Direktverkäufe eine eigenständige Registrierungs- und Abführungspflicht – selbst wenn die Marktplatzverkäufe bereits abgedeckt sind.
Registrierungspflicht kann trotzdem entstehen: Manche Bundesstaaten verlangen eine Registrierung, sobald der Gesamtumsatz (Marktplatz + Direktvertrieb) die Schwelle überschreitet, auch wenn aktuell keine eigene Steuer abzuführen ist.
Beispielrechnung
Eine LLC verkauft für 90.000 US-Dollar über Amazon und für 30.000 US-Dollar über den eigenen Shopify-Store in denselben Bundesstaat. Liegt die Nexus-Schwelle des Staates bei 100.000 US-Dollar Gesamtumsatz, ist sie mit insgesamt 120.000 US-Dollar überschritten – die LLC muss sich registrieren und für die 30.000 US-Dollar Direktverkäufe selbst Sales Tax abführen, obwohl Amazon die restlichen 90.000 US-Dollar bereits korrekt behandelt hat.
Praktische Konsequenz für DACH-Gründer
Wer ausschließlich über einen einzigen Marktplatz verkauft, hat administrativ die geringste Last. Sobald mehrere Kanäle hinzukommen – eigener Shop, mehrere Marktplätze, Großhandel – lohnt sich eine regelmäßige Nexus-Prüfung über alle Kanäle hinweg, idealerweise mit einer Sales-Tax-Software oder einem spezialisierten Steuerberater.
Fazit
Marketplace Facilitator Laws nehmen Verkäufern viel administrative Arbeit ab, ersetzen aber nicht die eigene Beobachtungspflicht. Wer über mehrere Kanäle verkauft, muss die Nexus-Schwellen weiterhin selbst im Blick behalten.
