US LLC Steuern Deutschland.
Zwei Steuersysteme. Ein Abkommen. Vier Ebenen, die zusammenpassen müssen.
Die US-LLC ist in Deutschland nicht steuerfrei — und in den USA nicht meldefrei. Wer beide Seiten sauber führt, zahlt keine doppelte Steuer. Wer eine Seite ignoriert, riskiert Bußgelder im fünfstelligen Bereich.
Zwei Systeme, ein Vertrag.
Deutschland besteuert nach Welteinkommensprinzip: Wer hier lebt, versteuert seinen weltweiten Gewinn hier. Die USA besteuern nach Territorialprinzip für Nicht-Ansässige: Nur US-Einkünfte werden dort erfasst. Beide Systeme treffen sich im Doppelbesteuerungsabkommen von 1989, ergänzt 2006.
Die praktische Frage lautet nicht „Wo zahle ich?“ sondern „Wo entsteht eine Betriebsstätte, wie wird die LLC eingestuft, und welche Meldungen sind unabhängig davon fällig?“ — drei Fragen, drei Antworten.
Drei Ebenen der Klassifikation.
Die deutsche Behandlung folgt dem Typenvergleich, die US-Behandlung dem Default. Beide sind unabhängig entscheidbar.
- Pass-Through
Steuerlich transparent.
Die Single-Member-LLC ist im US-Steuerrecht default als „Disregarded Entity“ eingestuft. Gewinne fließen dem Gesellschafter direkt zu.
- Deutschland
Als Kapital- oder Personengesellschaft?
Das BMF-Schreiben vom 19.03.2004 (IV B 4 – S 1301 USA – 22/04) klassifiziert die LLC nach dem Typenvergleich. Meist: Personengesellschaft — je nach Ausgestaltung auch Kapitalgesellschaft.
- Doppelbesteuerung
DBA USA-Deutschland.
Das Abkommen von 1989/2006 vermeidet die Doppelbesteuerung. Betriebsstättengewinne werden in den USA besteuert, in Deutschland freigestellt (mit Progressionsvorbehalt).
Wo entsteht die Steuerpflicht?
Nach DBA Art. 5 entsteht eine Betriebsstätte in den USA durch einen festen Geschäftssitz — Büro, Lager, Werkstatt, Bauausführung länger als zwölf Monate. Auch ein abhängiger Vertreter mit Abschlussvollmacht begründet eine Betriebsstätte. Ein Registered Agent tut das ausdrücklich nicht.
Ohne US-Betriebsstätte werden Gewinne der LLC dem deutschen Gesellschafter zugerechnet und in Deutschland voll besteuert. Mit US-Betriebsstätte werden die dortigen Gewinne freigestellt — mit Progressionsvorbehalt auf das übrige Einkommen.
Vier Prüfpunkte, zwei Länder.
Form 5472 und die Meldung nach AO §138 sind unabhängig vom Gewinn fällig; AStG und BOI-Status sind im Einzelfall zu prüfen.
- AO §138
Meldung ans Finanzamt.
Beteiligungen an ausländischen Personen- oder Kapitalgesellschaften sind mit der Einkommensteuererklärung, spätestens 14 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, zu melden. Auch die LLC-Gründung ist meldepflichtig.
- AStG §§ 7–13
Hinzurechnungsbesteuerung.
Passive Einkünfte einer Zwischengesellschaft werden dem deutschen Anteilseigner zugerechnet. Handel und Beratung gelten nur ohne Mitwirkung des deutschen Gesellschafters als aktiv – relevant bei Einstufung als Kapitalgesellschaft und Besteuerung unter 15 %.
- Form 5472
US-Meldung.
Jede ausländisch gehaltene Single-Member-LLC meldet jährlich Transaktionen mit ihrem Gesellschafter an den IRS. Bußgeld bei Versäumnis: 25.000 USD je Formular und Jahr.
- Prüfpunkt
BOI-Status prüfen.
Die Rechtslage zum Beneficial-Ownership-Report an FinCEN hat mehrfach gewechselt. Für in den USA gegründete Gesellschaften ist die allgemeine Meldepflicht seit 14.08.2026 dauerhaft aufgehoben. Für die meisten Kunden ist keine Meldung nötig; der Status wird je Gesellschaft einzeln geprüft.
Vier verbreitete Irrtümer.
- BehauptungEine US-LLC ist in Deutschland steuerfrei.
- TatsächlichNur Gewinne aus einer US-Betriebsstätte sind in Deutschland freigestellt. Ohne Betriebsstätte in den USA wird der Gewinn nach deutschem Steuerrecht voll erfasst.
- BehauptungDie LLC ist immer eine Kapitalgesellschaft.
- TatsächlichDer Typenvergleich der deutschen Finanzverwaltung entscheidet im Einzelfall. Eine Single-Member-LLC wird im Typenvergleich meist als transparente Personengesellschaft eingestuft.
- BehauptungOhne US-Einkommen gibt es keine US-Steuerpflicht.
- TatsächlichForm 5472 und Form 1120 sind unabhängig vom Gewinn einzureichen. Auch die reine Existenz der LLC begründet Meldepflichten beim IRS.
- BehauptungAls Auswanderer nach Portugal oder Dubai ist alles gelöst.
- TatsächlichDie Wegzugsbesteuerung (AStG §6) greift im Zeitpunkt des Wegzugs; die erweiterte beschränkte Steuerpflicht (AStG §2) kann bei Wegzug in ein Niedrigsteuerland bis zu zehn Jahre danach greifen. Die LLC muss steuerlich sauber übergeleitet werden.
Wie das DBA wirkt.
Die Freistellungsmethode gilt für Gewinne einer US-Betriebsstätte: bereits in den USA besteuerte Einkünfte sind in Deutschland freigestellt. Nur der Steuersatz auf das übrige Einkommen wird nach dem Welteinkommen berechnet (Progressionsvorbehalt).
Ohne US-Betriebsstätte steht das Besteuerungsrecht nach Art. 7 DBA Deutschland zu; in den USA fällt dann in der Regel keine Bundes-Einkommensteuer an. Eine Anrechnung nach §34c EStG kommt nur für Einkünfte in Betracht, die die USA nach dem DBA besteuern dürfen, etwa Quellensteuer auf Dividenden.
Was Gründer aus Deutschland fragen.
Neun Fragen, die im Erstgespräch immer wieder kommen. Beantwortet, bevor sie gestellt werden müssen.
Das entscheidet der Typenvergleich nach BMF-Schreiben vom 19.03.2004. Eine Single-Member-LLC in Wyoming oder Delaware wird meist als Personengesellschaft (KG-ähnlich) eingestuft. Multi-Member-LLCs mit starrer Geschäftsführung und Anteilsübertragbarkeit können als Kapitalgesellschaft gelten. Die Einstufung ist bindend — und beeinflusst, ob Sie Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer zahlen.
Ja. Die Einkünfte der LLC gehören je nach Einstufung in die passenden Anlagen, ausländische Einkünfte zusätzlich in Anlage AUS. Zusätzlich greift AO §138: Die Gründung ist elektronisch über ELSTER mit der Steuererklärung, spätestens 14 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, zu melden — unabhängig von Gewinnen.
Nach DBA Art. 5 durch einen festen Geschäftssitz in den USA (Büro, Lager, Baustelle über 12 Monate) oder einen abhängigen Vertreter mit Abschlussvollmacht. Ein Registered Agent ist keine Betriebsstätte. Reines Servergeschäft aus der Ferne begründet ebenfalls keine.
Bei Einstufung als Personengesellschaft und aktiver Tätigkeit vom deutschen Wohnsitz aus: ja, in voller Höhe. Bei US-Betriebsstätte wird der freigestellte Teil aus der Gewerbesteuer herausgerechnet (§9 Nr. 3 GewStG).
Nur wenn die LLC als Zwischengesellschaft mit passiven Einkünften (Lizenzen, Zinsen, Miete) gilt. Handel und Dienstleistungen gelten nach §8 Abs. 1 Nr. 4, 5 AStG nur als aktiv, wenn der deutsche Gesellschafter nicht mitwirkt; bei Einstufung als Kapitalgesellschaft und Besteuerung unter 15 % ist die Hinzurechnung im Einzelfall zu prüfen.
Ist die LLC als Kapitalgesellschaft eingestuft und der Anteil mindestens 1 Prozent, greift die Wegzugsbesteuerung (AStG §6): Die stillen Reserven werden fiktiv aufgedeckt und besteuert. Die Steuer kann – unabhängig vom Zielstaat – auf Antrag in sieben Jahresraten gezahlt werden; eine zinslose Dauerstundung für EU-Wegzüge gibt es seit 2022 nicht mehr.
Ja. Form 5472 mit Form 1120 (Pro-Forma) ist jährlich beim IRS einzureichen — auch bei null US-Umsatz. Frist: 15. April des Folgejahres. Verspätung: 25.000 USD Strafe.
Das DBA von 1989 nutzt die Freistellungsmethode: Was in den USA besteuert wird (Betriebsstättengewinn), ist in Deutschland freigestellt — mit Progressionsvorbehalt auf den Rest-Einkommen. Ohne US-Betriebsstätte hat Deutschland nach Art. 7 DBA das Besteuerungsrecht; in den USA fällt dann in der Regel keine Bundes-Einkommensteuer an, eine Anrechnung nach §34c EStG betrifft nur US-Quellensteuern, etwa auf Dividenden.
Am Markt üblich: etwa 2.500 bis 6.000 EUR pro Jahr für US-Compliance (Form 5472, Form 1120, State Filing) und deutsche Deklaration (Anlage AUS, AO §138-Meldung). Wer auf beide Seiten verzichtet, riskiert Strafen im fünfstelligen Bereich.
TAXXIT Fachredaktion.
Geprüft wurden Gebühren, Bearbeitungszeiten der Behörden, Formularstände und alle genannten Fristen.
Nächste Durchsicht spätestens in sechs Monaten oder bei Rechtsänderung.
Die Guides entstehen aus der laufenden Mandatsarbeit: Gründungen in Wyoming, New Mexico, Florida und Delaware, Kontoeröffnungen bei US-Banken, EIN- und ITIN-Anträge sowie die Abstimmung mit deutschen Steuerberatern. Geschrieben wird von der Mandatsführung, gegengelesen von US-Attorneys und CPAs aus unserem Netzwerk. Was nicht belegbar ist, steht nicht drin.
Fachgebiete
- US-Gesellschaftsrecht (LLC, C-Corp)
- IRS-Meldepflichten (EIN, ITIN, Form 5472)
- Deutsche Hinzurechnungs- und Anzeigepflichten
- US-Banking und Business Credit
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- Wissen
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US-Steuern im Überblick.
Form 5472, ECI, Withholding — der Pillar.
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