US LLC Steuern Deutschland.
Zwei Steuersysteme. Ein Abkommen. Vier Fragen, die entscheiden, was Sie wirklich zahlen.
Die US-LLC ist weder in den USA steuerfrei noch in Deutschland automatisch transparent. Wer beide Seiten sauber führt, zahlt keine doppelte Steuer. Wer eine Seite ignoriert, riskiert Nachforderungen und Bußgelder.
In 60 Sekunden.
Deutsche, die eine US-LLC führen, müssen in der Regel zwei Steuerpflichten beachten: die US-Information Returns beim IRS und die deutsche Einkommen- oder Körperschaftsteuer auf das Welteinkommen. Das Doppelbesteuerungsabkommen verhindert Doppelbesteuerung — aber nur, wenn beide Seiten korrekt abgerechnet werden.
Ohne US-Betriebsstätte wird der Gewinn in Deutschland voll besteuert, in den USA gibt es nur Meldepflichten. Mit US-Betriebsstätte wird der dortige Gewinn in Deutschland freigestellt, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt.
Was zählt wirklich.
Wer diese vier Felder sauber trennt, hat die Steuerpflicht im Griff.
- Klassifikation
Personen- oder Kapitalgesellschaft?
Deutsche Finanzverwaltung vergleicht die LLC nach dem BMF-Schreiben vom 19.03.2004 mit deutschen Rechtsformen. Die Einstufung entscheidet über Einkommen- oder Körperschaftsteuer.
- Betriebsstätte
Wo entsteht die Steuerpflicht?
Nur bei fester Geschäftsstätte in den USA (Büro, Lager, abhängiger Vertreter). Registered Agent, Mailbox oder Server aus Deutschland begründen keine Betriebsstätte.
- Pass-Through
Gewinne fließen direkt durch.
Single-Member-LLCs gelten in den USA als Disregarded Entity. Es gibt keine US-Körperschaftsteuer auf der Ebene der LLC — solange keine ECI-Betriebsstätte besteht.
- DBA
Doppelbesteuerungsabkommen.
DE-USA (1989/2006) vermeidet Doppelbesteuerung. Betriebsstättengewinne werden in den USA besteuert, in Deutschland freigestellt. Ohne Betriebsstätte greift deutsches Welteinkommen.
Die Pflichten, die unabhängig vom Gewinn gelten.
Auch bei null US-Umsatz gibt es Formulare, die abgegeben werden müssen.
- IRS
Form 5472.
Jährliche Meldung für ausländisch gehaltene US-LLCs. Frist: 15. April. Strafe bei Nichtabgabe: 25.000 USD pro Jahr.
- IRS
Form 1120.
Pro-Forma-Körperschaftsteuererklärung für Disregarded Entities. Begleitet Form 5472 beim IRS.
- IRS
Form 1065.
Für Multi-Member-LLCs als Partnership. Frist: 15. März. Jeder Member erhält eine Schedule K-1.
- Deutschland
AO §138.
Beteiligungen an ausländischen Gesellschaften sind mit der Steuererklärung für das Jahr der Gründung bzw. des Erwerbs, spätestens 14 Monate nach Ende dieses Jahres, beim Finanzamt zu melden — auch die Gründung selbst.
Vier Fehler, die teuer werden.
- BehauptungEine US-LLC ist in Deutschland steuerfrei.
- TatsächlichNur Gewinne aus einer US-Betriebsstätte sind in Deutschland freigestellt. Ohne Betriebsstätte wird der Gewinn in Deutschland voll erfasst.
- BehauptungOhne Gewinn muss ich nichts melden.
- TatsächlichForm 5472, Form 1120 und AO §138 können unabhängig vom Gewinn relevant sein. Der BOI-Status wird nach der Rechtslage vom 14.08.2026 je Gesellschaft einzeln geprüft.
- BehauptungWyoming spart Steuern.
- TatsächlichWyoming hat keine State Income Tax, aber die Bundessteuerpflicht und die deutsche Steuerpflicht bleiben. Der Wohnsitz des Gesellschafters entscheidet.
- BehauptungAls Auswanderer nach Dubai fällt alles weg.
- TatsächlichDeutsche Wegzugsbesteuerung (AStG §6) und erweiterte beschränkte Steuerpflicht (AStG §2) greifen zehn Jahre nach Wegzug. Die Struktur muss übergeleitet werden.
Sechs Schritte zur sauberen Deklaration.
Von der Klassifikation bis zur jährlichen Pflege — in der Reihenfolge, in der sie fällig werden.
- 01
LLC klassifizieren.
Typenvergleich nach BMF-Schreiben 19.03.2004 durchführen. Single-Member meist Personengesellschaft, starre Multi-Member häufig Kapitalgesellschaft. Ergebnis dokumentieren.
- 02
Betriebsstätte klären.
Nach DBA Art. 5 prüfen: fester US-Sitz, Lager, abhängiger Vertreter? Wenn nein — Welteinkommen wird in Deutschland besteuert. Wenn ja — US-Anteil freigestellt, Progressionsvorbehalt.
- 03
AO §138 melden.
Gründung mit der Steuererklärung für das Jahr der Gründung bzw. des Erwerbs, spätestens 14 Monate nach Ende dieses Jahres, beim deutschen Finanzamt anzeigen — unabhängig von Gewinn oder Aktivität.
- 04
US-Compliance abgeben.
Form 5472 + Pro-Forma 1120 bis 15. April (Single-Member) oder Form 1065 bis 15. März (Multi-Member). Dazu kommen State Filings nach Bundesstaat; den BOI-Status bei FinCEN prüfen wir je Gesellschaft einzeln.
- 05
Deutsche Erklärung einreichen
Beteiligung in Anlage AUS aufnehmen, Gewinn nach DBA-Methode (Freistellung oder Anrechnung) zuordnen. Belege und US-Erklärungen als Nachweis beifügen.
- 06
Jährlich pflegen.
Fristenkalender führen, State Filings und steuerliche Änderungen dokumentieren, den BOI-Status bei jeder betreuten Gesellschaft einzeln prüfen und Wegzugs- oder Strukturänderungen mit Beratung planen.
Der Jahreskalender.
15. März: Form 1065 für Multi-Member-LLCs. 15. April: Form 1120 mit 5472 für Single-Member-LLCs, Verlängerung per Form 7004 auf 15. Oktober möglich. AO §138-Meldung beim deutschen Finanzamt: mit der Steuererklärung für das Jahr der Gründung bzw. des Erwerbs, spätestens 14 Monate nach Ende dieses Jahres. Der BOI-Status wird nach der Regelung vom 14.08.2026 individuell geprüft. Erster Tag des Gründungsmonats: Wyoming Annual Report. 1. Juni: Delaware Annual Tax (400 USD) für LLCs.
Was Gründer aus Deutschland fragen.
Elf Antworten, die im Erstgespräch immer wieder kommen.
Das BMF-Schreiben vom 19.03.2004 legt einen Typenvergleich zugrunde. Single-Member-LLCs in Wyoming oder Delaware werden in der Regel als Personengesellschaft (KG-ähnlich) eingestuft. Multi-Member-LLCs mit starren Managementstrukturen können als Kapitalgesellschaft gelten. Die Einstufung ist bindend und beeinflusst die Steuerart.
Ja. Beteiligungen an ausländischen Gesellschaften werden in der Anlage AUS deklariert. Zusätzlich greift AO §138: Die Gründung ist mit der Steuererklärung für das Jahr der Gründung bzw. des Erwerbs, spätestens 14 Monate nach Ende dieses Jahres, zu melden.
Single-Member-LLCs reichen Form 5472 zusammen mit Form 1120 ab. Multi-Member-LLCs reichen Form 1065 ab. C-Corp-gewählte LLCs reichen Form 1120 mit regulärer Körperschaftsteuer ab. Zusätzlich: State Filings und eine individuelle Prüfung des BOI-Status bei FinCEN.
Nach DBA Art. 5 durch einen festen Geschäftssitz in den USA, ein Lager, eine Baustelle über zwölf Monate oder einen abhängigen Vertreter mit Abschlussvollmacht. Ein Registered Agent ist keine Betriebsstätte.
Nein. Das DBA setzt voraus, dass alle Pflichten auf beiden Seiten erfüllt werden. Ohne US-Betriebsstätte wird das Welteinkommen in Deutschland besteuert. Mit Betriebsstätte wird der US-Anteil in Deutschland freigestellt, aber Progressionsvorbehalt und Anrechnungsmethoden müssen beachtet werden.
Realistisch liegen die Kosten für US-Compliance und deutsche Deklaration zwischen 2.500 und 6.000 EUR pro Jahr. Wer auf beide Seiten verzichtet, riskiert Strafen im fünfstelligen Bereich.
Für digitale Leistungen an deutsche Privatkunden gilt das deutsche UStG unabhängig vom Sitz der LLC. B2B-Umsätze innerhalb der EU laufen über Reverse-Charge, sofern eine gültige USt-IdNr. vorliegt. Ohne deutsche Betriebsstätte ist meist eine steuerliche Registrierung notwendig, sobald an deutsche Endkunden verkauft wird.
AStG §6 (Wegzugsbesteuerung) greift bei Kapitalgesellschafts-Einstufung ab 1 % Beteiligung. Bei Personengesellschafts-Einstufung ist die Entstrickung nach §4 Abs. 1 S. 3 EStG relevant. Zusätzlich kann die erweiterte beschränkte Steuerpflicht (§2 AStG) zehn Jahre nachwirken.
Ja, wenn die LLC als Zwischengesellschaft mit passiven Einkünften (Zinsen, Lizenzen, bestimmte Handelsgewinne) und niedriger Besteuerung unter 15 % gilt und deutsche Anteilseigner mehrheitlich beteiligt sind. Aktive Einkünfte aus einer echten US-Betriebsstätte sind ausgenommen.
Der IRS verhängt eine Strafe von 25.000 USD pro Jahr und Meldepflicht, zusätzlich Zinsen. Bei fortgesetzter Nichtabgabe steigen die Sanktionen und die LLC verliert den steuerlichen Guten-Glauben-Status.
Nein. Ein US-CPA deckt IRS und State ab, kann aber die deutsche Deklaration, Typenvergleich und AStG nicht rechtssicher beurteilen. Umgekehrt fehlen den meisten deutschen Steuerberatern die US-Formulare. Zwei Seiten, zwei Zuständigkeiten — koordiniert.
Ein Gespräch.
Dreißig Minuten. Antwort innerhalb eines Werktags.
